Gedankenimpuls

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Der Gedankenimpuls

Auf Schatzsuche mit Worten von Rumi

Wenn wir uns mit den Mystikern und Gelehrten der Vergangenheit verbinden können wir uns nähren mit der zeitlosen Weisheit, aus der sie gelebt haben. Wenn ich den einen oder anderen Spruch von Rumi lese geht mir das Herz auf und meine Seele wird weit. Ca. 800 Jahre trennen uns von ihm. Seine Erkenntnisse jedoch sind für die Ewigkeit geschaffen. Ich habe ein paar Verse ausgewählt und möchte sie dir wie Perlen zeigen damit sie dir als Nahrung für die Seele dienen.

Wenn du dir eine Perle wünschst, such sie nicht in einer Wasserlache. Wer Perlen finden will, muss bis zum Grund des Meeres tauchen. (Rumi)

Perlen findest du nicht in einer Wasserlache sondern auf dem Grund des Meeres. Ich sehe darin eine Einladung, meine eigenen Lebensperlen zu suchen. Ich stelle mich vor den Spiegel und sehe zuerst das, was ich auch in einer Wasserlache sehen würde. Ich sehe mein Gesicht Augen, Nase, Mund. Ich nehme die Haut wahr und meine Haare. Ich kann die Oberflächen erkennen. In einer Wasserlache sehe ich den Untergrund mit Sand, Blättern und Steine. Und ich sehe den Himmel als Spiegel. Ich sehe und es kommt mir sehr vertraut vor.

Ich schaue in mein Gesicht und was ich sehe, ist nicht wirklich aufregend. Es sei denn, dass ich mich mit den kritischen Augen der Schönheitsindustrie betrachte. Dann könnte ich viele "negative" Punkte feststellen und ordentlich an mir herumkritisieren. Wahrscheinlich werde ich keine "Perle" entdecken, denn die befinden sich ja am Grund des Meeres.

Wenn ich also die Perlen meines Wesens finden möchte werde ich diese nicht im Spiegel sehen. Dazu muss ich meine Augen schließen und den Weg nach innen gehen. Ich gehe mit meiner Aufmerksamkeit in die innere Tiefe oder Weite und bin achtsam. Ich will nichts und habe auch kein Werkzeug dabei. Ich gehe tauchen. Ich tauche und tauche - immer tiefer. Ich tauche durch meine Gedanken, durch Wut und Ärger, durch Trauer und Angst und die Schmerzen in der Tiefe. Und dann taucht sie wie von selbst auf - die Perle. Und, worin besteht die Qualität deiner Perle? Du wirst es herausfinden wenn du in deine Tiefe tauchst. Diese Reise kannst du nicht delegieren oder in klugen Büchern nachlesen. Du musst diese Reise selber antreten.

Am Ende ist ein Mensch alles müde, nur des Herzens Verlangen und der Seele Wanderung nicht. (Rumi)

Am Ende hat ein Mensch nicht mehr so viel Kraft und Energie. Lange genug gearbeitet. Genug erlebt. Genug von allem. Genug gereist und genug ausprobiert. Ich kenne einige ältere Menschen, die nichts mehr möchten. Die Neugier auf die Welt hat sich erschöpft. Sie müssen ihre Wohnung nicht mehr renovieren und auch keine neuen Möbel mehr kaufen. Es ist genug. W ährend der Körper an der Welt satt werden kann, verhält es sich mit dem Herzen und der Seele anders. Es gibt weiterhin ein Verlangen. Die Seele wandert weiter, weil sie noch nicht ans Ziel gekommen ist. Die Seele möchte den Weg zur Heimat finden und nährt sich vom Verlangen des Herzens.

Wann komme ich nach Hause? Wo befindet sich mein wirkliches zu Hause? Vor zehn Jahren hätte ich nicht gedacht, dass es jemals einen müden Moment geben könnte. Ich bin noch viel zu neugierig auf die Welt. Ich entdecke jeden Tag etwas, was mich herausfordert und spüre die Lust auf Leben. Manchmal jedoch gibt es den Augenblick, wo ich denke: Ach, es ist jetzt genug. Dann erschrecke ich mich und komme mir alt vor. Die Anzahl dieser Augenblicke wächst.

Und wenn ich der Müdigkeit des Körpers für einen Augenblick Raum gebe, gehe ich in mein Herz und spüre das Verlangen. Da ist noch das große und ganze Mehr. Die Tiefe und die Ahnung von dem, wovon die Mystiker sprechen. Wenn ich verbunden bin mit allem, was ist.

Geduld bedeutet, dass man immer weitblickend das Ziel im Auge behält. Ungeduld bedeutet, dass man kurzfristig nicht die Bestimmung begreift. (Rumi)

Ich kann mein Leben weitblickend betrachten oder kurzfristig. Manchmal bin ich sehr kurzfristig. Kurzfristig sind so viele Aufgaben zu erledigen. Mal eben noch die Wäsche waschen und schnell einkaufen gehen. Dann mal eben noch die Schuhe putzen und einen bestimmten Menschen anrufen. Wenn ich bestimmte Dinge nicht kurzfristig mache gehen sie verloren und dann stehe ich da. Wenn ich mein Leben in der Kurzfristigkeit einrichte dann fühle ich mich getrieben. Und diese Getriebenheit äußert sich dann in der Ungeduld. Gepaart mit einer dauerhaften inneren Unruhe. Was muss ich alles noch erledigen bevor ich mich ausruhen kann.

Wenn ich aber weitblickend das Ziel im Auge behalte, dann breitet sich automatisch Geduld in mir aus. Erst am Ende meines Lebens muss ich die Ziele erreichen. Ich habe also noch unendlich viel Zeit. Auch, wenn ich morgen diese Welt verlasse, werde ich nicht unruhig. Denn in meinem Weitblick schaue ich zum Horizont. Der Blick geht in die Weite und in die Ferne. Das macht mich großzügig, langmütig und sehr geduldig. Es gibt nichts zu tun! Ich kann heute mal den ersten Schritt machen und dann eine Pause. Ich habe ja so unendlich viel Zeit. Ich verlangsame meine Schritte. Mein Denken. Meine Pläne. Ich werde nicht untätig. Ich behalte das Ziel fest im Auge. Ich weiche nicht ab. Aber es muss nicht sofort sein.

Ich lade dich ein, mit mir einen größeren Freiraum einzunehmen. Das Herz zu weiten. Die großen Ziele ins Auge zu fassen und aufmerksam den nächsten Schritt zu gehen. Zugleich merke ich, wie mein Atem ruhiger wird. Ich kann loslassen und weiß, dass morgen auch noch ein Tag ist. Eine neue Chance.

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